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FAO: Der Gipfel der grossen Enttäuschung

Hungernde stehen Schlange
Ein Welt-Gipfel zur Nahrungssicherheit auf höchstem Niveau sollte es werden. Denn die Zahl der Hungernden ist mit über einer Milliarde auf einem historischen Rekordhoch angelangt und die Ursachen dafür bleiben ungelöst.

Doch die eine Hälfte der Welt – namentlich die reichen Länder – fühlte sich offensichtlich fur die Hungermisere nicht verantwortlich und schickte nur die zweite Garde ihrer Regierungsvertreter. Und so trafen sich in Rom lediglich die Staatschefs der mehrheitlich armen Länder Afrikas, Lateinamerikas und Asiens. Auch die Schweiz reihte sich in die Boykotthaltung der mächtigen Länder ein und war – anders als unsere Nachbarländer – noch nicht einmal auf Ministerebene in Rom vertreten.

Eine überaus vage Abschlusserklärung, die bereits zu Beginn der Konferenz verabschiedet wurde, komplettiert die skandalös magere Bilanz dieses Gipfels. Weder Geld noch konkrete Massnahmen wurden beschlossen, um irgendetwas an der Situation der Hungernden zu verbessern.
  Wie diese konkret aussieht, war an dem Forum der Zivilgesellschaft zu erfahren, das im Vorfeld des Gipfels stattfand. Rund 700 Kleinbäuerinnen, Hirten, Fischer und Vertreterinnen von Entwicklungsorganisationen berichteten, was es heisst, vom Land vertrieben zu werden. Was es heisst, den einen Hektar Land mit Reis und Gemüse nicht mehr bewässern zu können. Was es heisst, wenn die Ziegen und Kühe nicht auf das Weideland dürfen.

Und sie berichteten davon, wie sie ihre Ressourcen verlieren: das Land wird grosen Agrar-, Lebensmittel- oder Rohstofffirmen zur Verfügung gestellt. Kleinproduzenten stören da nur. Die neueren Entwicklungen lassen noch schlimmeres befürchten. Land ist zum begehrten Investitions- und Spekulationsobjekt geworden. Die staatliche geförderte Nachfrage nach Agrotreibstoffen ebenso wie der steigende Fleischkonsum sind dafür wichtige Ursachen. Rund 40 Millionen Hektar fruchtbaren Ackerlands haben Regierungen in Afrika, Asien und Lateinamerika in weniger als einem Jahr an ausländische Firmen, Investmentfonds und Länder wie China oder die arabischen Emirate für mehrere Jahrzehnte verpachtet oder verkauft. Auf diesem Land wird in industriellen Monokulturen Mais, Weizen, Soja, Zucker oder Palmöl für den Export produziert werden.
  Diese Entwicklung ist in doppelter Hinsicht gefährlich. Die Regierungen der Länder wie Tansania, Sudan oder Mosambik, in denen Armut und Hunger herrscht, verschebeln mit dem fruchtbaren Land ihre wichtigste Ressource. Die Bevölkerung geht dabei leer aus. Darüber hinaus wird weiterhin massiv in ein Produktionsmodell der industriellen Landwirtschaft investiert, dass auf hohem Energie-, Wasser- und Chemieeinsatz basiert, und damit Wasser und Umwelt verschmutzt und den Boden langfristig unfruchtbar macht.   Von der grassierenden Landnahme war an dem offiziellen Gipfel in Rom nichts zu hören. Denn sobald es darum geht, die Verantwortlichen für die Ernährungskrise zu benennen oder gar zur Rechenschaft zu ziehen, herrscht Stillschweigen. Zu sehr hofft man auf das grosse Geld aus der Privatwirtschaft, das die Landwirtschaft in Schwung bringen soll.

Und auch die konkreten Lösungsvorschläge, die im Weltagrarbericht der UNO von über 400 Wissenschaftlerinnen und Experten vorgestellt wurden, fanden weder Eingang in das Plenum noch in die Abschlusserklärung des Gipfels. Verwunderlich ist dies nicht, denn der Weltagrarbericht fordert eine radikale Umkehr in der Landwirtschaftspolitik hin zur ökologischen, bäuerlichen Produktion für den lokalen Markt. Mit dieser Form der Landwirtschaft können vor allem die Kleinproduzenten, Klima und Umwelt sowie die Konsumenten gewinnen, nicht aber die grossen Agrar- und Lebensmittelkonzerne.

Um jedoch endlich Erfolge in der Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung zu erzielen, ohne das Klima und die Umwelt noch weiter zu zerstören, ist eine solche Umkehr unerlässlich. Und dafür sind sowohl die Regierungen aus den armen wie die der reichen Länder verantwortlich.
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