Nur 15% der weltweit produzierten Nahrungsmittel werden heute international gehandelt, der Rest wird lokal produziert und konsumiert, betont der „Bericht über die Folgen der Handelsliberalisierung für das Recht auf Nahrung“, auf den De Schutter sich stützt. Je stärker arme Länder auf den Import von Nahrungsmitteln setzten, desto verletzlicher würden sie, sagte De Schutter. Wenn die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel plötzlich stiegen, könnten gerade arme Menschen diese nicht mehr bezahlen.
Weltweit leiden derzeit über 960 Millionen Menschen Hunger. 80 Prozent davon leben auf dem Land und sind zum Grossteil Kleinbauernfamilien mit weniger als zwei Hektar Land, betont der Bericht. Es sei deswegen wichtiger, den kleinen Bauern zu helfen und den Agrarsektor zu entwickeln als auf die Liberalisierung des Handels zu setzen.
„Ich warne davor, den Handel mit Agrarprodukten weiter zu liberalisieren, das wäre extrem gefährlich, weil es die Lebensgrundlage vieler Menschen noch stärker bedrohen würde. Wir müssen Entwicklungsländern zugestehen, sich gegen billige Nahrungsimporte, die ihre Märkte überschwemmen, zu schützen“, sagte De Schutter im Interview mit der Frankfurter Rundschau.
Moratorium für Agrotreibstoffe
De Schutter sprach sich auch dezidiert gegen den Anbau von Agrartreibstoffen aus, die nach einer Berechnung der Weltbank zu 75 Prozent für den extremen Anstieg der Lebensmittelpreise Anfang 2008 verantwortlich waren. „Das ist eine extrem kurzfristige und gefährliche Politik“, sagte er, „auch weil die Produktion von Agrartreibstoffen viel Energie frisst, enorme Mengen an Wasser verbraucht und Treibhausgase produziert“. Wie sein Vorgänger Jean Ziegler sprach sich De Schutter für ein Agrotreibstoff-Moratorium aus. „Wir sollten das jetzt stoppen und erst einmal nachdenken“, sagte er.




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