Jeden Monat sterben ein bis zwei Nutztierrassen aus. Die genetische Basis für erfolgreiche Züchtungen wird dadurch immer schmaler, was die Ernährung weltweit bedroht. Dazu tagte im September 2007 die erste internationale Konferenz der FAO (Welternährungsorganisation) in Interlaken. Das Thema: Erhalt der Vielfalt der genetischen Ressourcen der Nutztiere. Regierungsdelegationen aus aller Welt erarbeiteten an dieser Konferenz einen globalen Aktionsplan.
Die technischen Massnahmen der FAO zur Erhaltung der tiergenetischen Ressoucen reichen aus Sicht von SWISSAID, dem International Planning Comittee for Food Sovereignty (IPC) und der Liga für Hirtenvölker und nachhaltige Viehwirtschaft (LPP) nicht aus, die Vielfalt zu erhalten: Die Bauern- Hirten-, und Nomadenfamilien der Entwicklungsländer sind die wahren Hüter der genetischen Vielfalt der Nutztiere, kommen im Aktionsplan der FAO jedoch kaum vor.
In einem Parallelforum zur FAO-Konferenz artikulierten die tierhaltenden Gemeinschaften in Wilderswil ihre Probleme:
• Die FAO schlägt eine Intensivierung der Tierproduktion auch in der Dritten Welt vor, weil der steigende Fleischbedarf nur so gedeckt werden könne. Die Intensivierung der Tierhaltung ist jedoch einer der Hauptgründe für das Verschwinden von Nutztierrassen.
• Karges Weideland wird in gewissen Ländern als Naturschutzgebiet, Industriezone oder neuerdings für die Produktion von Agrotreibstoff umgezont. Die Lösung der Landkonflikte kann nur auf politischem Weg gelingen. Die FAO stellt jedoch Lösungen auf technisch-wissenschaftlichem Niveau in den Vordergrund. Die Hirtenvölker und Viehzüchter jedoch fordern ihre Wasser- und Weiderechte ein.
• Der Zugang zu den lokalen Märkten ist für Viehzüchter in vielen Ländern immer schwieriger. Die verlangten „Gesundheitsstandards“ sind auf Grossproduzenten ausgerichtet, was eine nachhaltige Nutzung der Tiere durch die Kleinbauern, Tierzüchter, Hirten und Nomaden verunmöglicht – es kann kein Einkommen erarbeitet werden. Darum werden dann die lokalen Rassen nicht weiter gezüchtet und verschwinden.




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